Montag, 19. Oktober 2009

Kuriose Kleinigkeiten

„This stop is: Weddingtown“ – Sie habe eine eigene Straße NUR mit Brautkleiderläden hier. Traditionell und farbenfroh koreanisch, westliches Weiß und wenig empfehlenswert Kreuzungen aus beiden Welten.

Alles so billig hier – aber Florians These, dass das nur zu noch mehr Ausgaben führt, scheint auch auf mich zuzutreffen. Ich könnte diese 10.000 Won-Noten auch gleich verbrennen!

Immer noch keine Mülleimer gesichtet – dafür aber vereinzelt Männer, die die Sachen von der Straße aufpicken. Dann wundern mich auch die niedrigen Arbeitslosenzahlen nicht mehr.

Kaum iPods zu sehen hier – die Koreaner kaufen wohl ganz gerne ihre eigenen Produkte (z.B. Samsung und LG). Immerhin wird bald das iPhone hier eingeführt.

Aus dem Weg! – Wenn die Rushhour kommt, vergessen die Koreaner ihre liebenswürdige Natur und laufen ohne Rücksicht auf Verluste drauf los. Wollte ich erst nicht glauben, habe ich aber inzwischen selbst erlebt. „Entschuldigung“ kennt man hier nicht wirklich.

Freitag, 16. Oktober 2009

Was passiert, wenn sie mich finden?

Fuer einige Tage habe ich mich mit meinem neuentdeckten Umweltbewusstsein richtig gut gefuehlt. Bis ich heute angefangen habe Kommentare auf Utopia zu lesen. Diese Leute koennen einem wirklich ein wenig Angst einjagen! Es ging um die Frage, ob Milch in Tetrapaks oder in Glasflaschen umweltfreundlicher sei (Transportkosten, Recycling und so). Waehrend ich mir noch dachte: "Och noe, Glasflaschen, die sind ja megaschwer zu schleppen!", las ich Unglaubliches: Milch ist angeblich total ungesund und es gibt Leute, die es voellig pervers finden "Kaelbernahrung" zu trinken. Es gibt ganze Websiten dazu. In einem anderen Beitrag ging es um Papierhandtuecher vs. Handtrockner in oeffentlichen Toiletten. Es gibt wohl Leute, die fuer solche Gelegenheit extra kleine Handtuecher mitfuehren. Wow. Aber damit nicht genug. Offensichtlich existiert eine Art Geheimkreis von hartgesottenen Oekos, die sich die Haende an der Hose abwischen, richtig stolz darauf sind und sich gegenseitig an den verdaechtigen Flecken erkennen. Dieses Verhalten ist bei ihnen sozial aeußerst angesehen.

Und so weiter und so fort.

Mein schlechtes Gewissen wurde immer schlimmer. Nicht genug damit, dass ich offensichtlich der reinste Oekoterrorist bin, nein, ich tue auch noch so, als waere das Gegenteil der Fall. Noch fataler: Insgeheim habe ich mich schon wieder ein klein wenig ueber diese freudlosen, hochmoralischen Gestalten lustig gemacht. Jetzt hoffe ich instaendig darauf, dass sie niemals meinen Blog entdecken, sonst werde ich wohl geteert und gefedert! Und wohlmoeglich dazu gezwungen wie einer jener Veganer zu leben, von denen Hyunwoo mir gerade erzaehlt hat, die den Wahnsinn soweit treiben, dass sie sich neben Baeume stellen und warten bis etwas runterfaellt, das sie essen koennen. Ich haette mir diese Oekosache wohl ein bisschen besser ueberlegen sollen ...

Donnerstag, 15. Oktober 2009

Ich bin ein Lemming.

Rennen die anderen, renne ich auch. Empfehlenswerte Strategie nachts in der Seouler Metro. Die fährt komischerweise ab einer bestimmten Zeit nicht mehr - wann das genau ist, weiß aber keiner. Ohne Rücksicht auf Verluste (mein Schuh hätte beinahe dran glauben müssen) bin ich also losgehechtet. War die richtige Entscheidung. Das ist eben Survival of the Fittest in dieser kapitalistischen Gesellschaft.

Mittwoch, 14. Oktober 2009

Kim Jong-ils Nierenfunktion und meine Weiterbildung

Ihr fragt euch, was ich eigentlich bei der Hanns-Seidel-Stiftung so treibe? Ich habe es euch doch gesagt: Dafür sorgen dass, wenn ich abreise, koreanische Familien wieder gemeinsam Weihnachten feiern können. (Natürlich nur der kleine christliche Teil der Bevölkerung. Die anderen können meinetwegen machen, was sie wollen.) Den Aussöhnungsprozess zwischen Süd- und Nordkorea voranzutreiben ist jedoch nur eine der Aufgaben, die sich die Hanns-Seidel-Stiftung, die weltweit unter dem Leitmotiv „Im Dienst von Demokratie, Frieden und Entwicklung“ in der Entwicklungshilfe tätig ist, in Korea vorgenommen hat. Sie hilft außerdem in politischen Fragen zur dezentralisierten Verwaltung (Südkorea ist ja erst seit 1987 eine Demokratie), versucht Partner für Entwicklungsprojekte in Nordkorea zu gewinnen, um dort „Hilfe zur Selbsthilfe“ zu leisten und setzt sich zudem für das Engagement von Frauen in der Politik ein. Detailliertere Informationen findet ihr auf der Website.

Und ich? Ich trinke morgens erstmal einen Kaffee. Dabei lese ich im Internet die wichtigsten Nachrichten oder eine koreanische Zeitung. Da meine offizielle Position Researcher ist, researche ich natürlich sehr viel. Wie schon berichtet bin ich dabei eine Präsentation zum Thema „Green Growth in Germany“ zu erstellen, die mein Chef im November auf einer Konferenz in Jeonju halten wird, zu der ich ihn voraussichtlich begleiten kann. Außerdem erstelle ich gerade einen Quartalsbericht zur jeweiligen wirtschaftlichen und politischen Lage der Koreas und zu den innerkoreanischen Beziehungen. Was da alles abgeht! Nordkorea feuert sinnloserweise und ohne erkenntliche Absicht für 700 Millionen Dollar Raketen ins Meer, während die Bevölkerung hungert. Pjöngjang hält amerikanische Journalisten wegen „anti-nordkoreanischen Aktivitäten“ gefangen, bis Bill Clinton hinreist und sie mit seinem Charme frei redet. Dabei kann Clintons Arzt auch gleich mal Kim Jong-il, den Präsidenten Nordkoreas ,unter die Lupe nehmen – über dessen Gesundheitszustand zerbrechen sich nämlich alle den Kopf. Nach einem Schlaganfall scheint er auch an einer Stoffwechselkrankheit wie Diabetes oder Nierenfehlfunktion zu leiden, außerdem munkelt man, dass er Bauchspeicheldrüsenkrebs habe. Die CIA erstellt eine Ferngutachten und gibt im mit einundsiebzigprozentiger Wahrscheinlichkeit nur noch fünf Jahre zu leben. Währenddessen prügeln im südkoreanischen Parlament Abgeordnete der regierenden Grand National Party und der oppositionellen Democratic Party aufeinander ein, weil sie Differenzen zu einem neuen Mediengesetz haben und kampieren im Parlament. Nordkorea ermöglicht Familienzusammenführungen und kassiert dafür seit dem Jahr 2000 1,6 Milliarden Dollar für 1600 Menschen, die zusammengeführt werden – also schlappe 1 Million pro Zusammenführung.


Mal muss ich fast lachen, mal ist mir eher zum Weinen zumute, wenn ich das lese. Es übersteigt die Grenzen meines Verstandes, wie sich eine Regierung so verhalten kann. Ihre Bevölkerung ausquetscht, sie hungern lässt, sie in Arbeitslager schickt, sie von der Außenwelt und ihren Familienangehörigen abschneidet und das Geld für sinnlose Militärdemonstrationen und eigenen Luxus zum Fenster rausschmeißt. Es tut mir leid das zu sagen, aber wahrscheinlich ist, dass ich es doch nicht schaffen werde, die Wiedervereinigung bis Weihnachten zu erreichen, aber ich bin trotzdem froh einen winzigen Teil dazu beizutragen, die Lebensbedingungen für die Nordkoreaner ein bisschen zu verbessern.


Ich lerne hier sehr viel über Dinge, mit denen ich vorher noch nie etwas zu tun hatte. Natürlich über die Geschichte der Koreas und auch über die koreanische Kultur, aber auch Allgemeines zum Thema Politik. Das macht mir sehr viel Spaß (meistens jedenfalls) und ja, es erweitert meinen Horizont. Außerdem bin ich noch für Übersetzungen vom Deutschen ins Englische und umgekehrt zuständig. Übersetzt mal „Ministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Forsten“! Insgesamt sind diese politischen Institutionen und Positionen jedes Mal eine kleine Herausforderung. Ich will gar nicht wissen, was am Ende da für ein Blödsinn rauskommt. Und wenn das dann noch weiter ins Koreanische übersetzt wird ... Dazu telefoniere oder maile ich noch ab und zu mit Deutschland, um zum Beispiel eine Besichtigung in Dresden für eine Studienreise klar zu machen. Und morgen gehe ich zum Wissenschaftlichen Gesprächskreis im Goethe Institut.


Noch drei Worte zu meinen Kollegen. Es gibt zwei Deutsche: Meinen Chef, Dr. Seliger, der Repräsentant der Stiftung ist und Sarah, die Senior Researcher ist. Und drei Koreaner: Young-soo ist Projektmanager und spricht sehr gut Deutsch, Soo-jin ist Projektkoordinatorin und kann ebenfalls Deutsch und was Hyunwoo eigentlich genau macht, weiß ich nicht, auf jeden Fall spricht sie sehr gut Englisch. Soohyun, meine Mitpraktikantin hatte leider heute ihren letzten Tag. (Ja, ich musste mir alle Namen aufschreiben und habe bis heute gebraucht sie auswendig schreiben zu können. Okay, das ist gelogen, ich musste bei Hyunwoo und Soohyun wieder nachgucken. Mist!)


Soohyung und Young-soo, Soo-jin und Hyunwoo
, Sarah

Off Topic Korea: Ich bin ein Öko. Das ist okay.

Als Kind hatte ich ein Umweltbuch, in dem es ein Bewertungssystem mit Walen gab. Irgendeine Farbcodierung zeigte – glaube ich – an, wie umweltverträglich gewisse Dinge sind. Meine Erinnerung ist lückenhaft, aber dieses Buch hat mich nachhaltig geprägt. Nach der Lektüre versank ich in tiefe Bestürzung darüber, wie viel Wasser wir verbrauchen und wie sehr Kraftwerke die Luft verschmutzen. Seit dem war es mir unmöglich beim Zähneputzen das Wasser laufen zu lassen und ich schaltete immer das Licht aus, wenn ich einen Raum verließ. Um die Umwelt nicht noch mehr zu verschmutzen, warf ich auch niemals etwas auf den Boden. Ernsthaft, nie. Der Gedanke an Radioaktivität ließ mir Schauer über den Rücken laufen. Als Kind war ich ein richtiger Öko.

Mit zunehmendem Alter wurde es schlimmer. Zur Lektüre des Walbuchs kam nun die Lektüre der Bravo. Dort gab es immer herzzereißende Berichte über Tiertransporte zu Schlachthöfen, natürlich ausführlich bebildert. Als gutes Pferdemädchen konnte ich das nicht ertragen. Ich wurde Vegetarierin. Was besonders hart war, da ich Fleisch liebe. Doch damals hatte ich noch Ideale und war bereit für meine Überzeugungen zu darben.

Vielleicht war der erste Bissen Fleisch nach mehrmonatiger Abstinenz wie Evas Biss in den Apfel. Ich verlor meine Unschuld. Ich fing an Ökos zu verlachen. Vegetarier waren in meinen Augen freudlose, blasse Gestalten, die sich und anderen das Leben schwer machen. Ich ließ mich von rein wirtschaftlichen Argumenten leiten. Möglicherweise weil ich das Gefühl hatte, dass es zu viel Schlechtes auf der Welt gibt, wie Kinderarbeit, Regenwaldrodung und besagte Tiertransporte, als dass ich dagegen hätte etwas ausrichten können, beschloss ich einfach alles zu ignorieren. Mein schlechtes Gewissen wird sehr schnell auf den Plan gerufen. Um nicht darunter zu leiden, blendete ich alles aus und aß und konsumierte völlig gedankenlos. Ich ging sogar so weit, dass ich mich davon überzeugen ließ, dass Atomkraft als Brückentechnologie durchaus sinnvoll ist. (Nur bei Zahnputzwasser, Lichtausschaltung und Müllwurf blieb ich standhaft.)

Was passierte dann?

Ich fing an das Thema „Green Growth in Germany“ zu recherchieren. Ich stieß auf erneuerbare Energien, innovative Produktionstechnologien, grüne Landwirtschaft und nachhaltiges Wachstum. Auf den Club of Rome und Utopia. Und ich war begeistert. Ich war angesteckt.

Manchmal benötigt man einen Impuls, der das Denken in neue Richtungen lenkt. Das bedeutet nicht, dass ich von jetzt auf gleich alle meine bisherigen Überzeugungen über Bord werfe, Veganer werde, nur noch im Biosupermarkt einkaufe und ausschließlich fair gehandelten Organic Cotton trage. Dazu esse ich erstens zu gerne Fleisch und zweitens habe ich zu wenig Geld. Aber ich kann tun was in meinen Möglichkeiten liegt. Stichwort Strategischer Konsum. War es nicht so, dass die Nachfrage das Angebot bestimmt? Heutzutage ist es möglich, sich über Hersteller, Produktionsmethoden und Inhaltsstoffe zu informieren (z. B. auf Utopia) und dementsprechend seine Kaufentscheidung zu treffen. Muss natürlich nicht immer sein, aber ab und zu sollte man sich das leisten. Und vielleicht auch ein wenig leiden, weil man dafür ein bisschen mehr bezahlen oder auf etwas verzichten muss.

Das gleiche gilt für Energie. Vielleicht wird Strom teurer, wenn Atomkraftwerke abgeschaltet werden, vielleicht auch nicht. Zu viele Experten haben zu unterschiedliche Ansichten darüber, als dass ich irgendwem wirklich glauben könnte. Ich weiß nur, dass mir der Gedanke an Radioaktivität immer noch Schauer über den Rücken laufen lässt. Und dass wir nicht wissen, wie wir Atommüll sicher lagern, geschweige denn abbauen können. Wie man Offshore-Windparks oder Solaranlagen in Wüsten baut, wissen wir jedoch. Und was für einen Sinn hat es, in neue Technologien für Atomkraftwerke zu investieren, wenn erneuerbare Energien langfristig einfach die bessere Wahl sind?

Mein schlechtes Gewissen einfach auszublenden funktioniert nicht, dadurch geht es mir nur oberflächlich besser. Mir vorzunehmen etwas zu tun, hilft schon mehr. Und die Perspektive möglicherweise später mal mein Geld damit verdienen zu können, mich für eine „bessere Welt“ (ja, pathetisch, ich weiß) einzusetzen, gibt mir neue Energie für die Zukunft. BWL muss nicht oberflächlich und rein wirtschaftlich sein. BWL kann mehr.

Jetzt heißt es dran bleiben und die guten Vorsätze in die Tat umsetzen. (Vielleicht sollte ich damit beginnen mich mal fragen, wie 2-Euro-T-Shirts in Korea zustande kommen und ob ich sie wirklich kaufen sollte.) Ich werde berichten wie ich mich mache.

Jemand muss mich aus Seoul abholen!

Es besteht akute Gefahr, dass ich sonst im Shoppingsumpf versinke und ganz Seoul leer kaufe. (Das wäre allerdings wirklich eine Leistung. Wenn man sich mal bewusst anschaut was es hier für ein Angebot an Kleidung gibt und sich überlegt, wer das wohl alles kaufen soll, DANN wird einem klar, wie verdammt viele Menschen hier wohnen. Unfassbar.) Bevor man mich verurteilt, sollte man jedoch folgende Fragen stellen: War ein nudefarbenes T-Shirt, auf dem ein kleines blondes Mädchen sich die Zähne putzt, wirklich das Stück, das in meiner Garderobe noch fehlte? War es tatsächlich nötig sich ein hundertstes Paar Schuhe zu kaufen (flache, schwarze Schnürschuhe)? Und ein hundertundeinstes (graue Ballerinas)? Ist es für mein finales Glück unabdingbar ein schwarz-weiß gestreiftes Pulloverkleid zu besitzen? Und da ich alle Fragen eindeutig mit Ja beantworten kann, bin ich vom Wahnsinn freizusprechen. Außerdem könnte ja wohl bei T-Shirts für zwei Euro auch niemand von euch widerstehen. Noch dazu habe ich heute meinen ersten Erfolg im Handeln gefeiert. Von 19.000 auf 15.000 Won. Auf Koreanisch!

Sonntag, 11. Oktober 2009

Frische Luft ist was anderes!

Wie schlecht die Luft hier in Seoul eigentlich ist, habe ich gemerkt, als wir einen Ausflug nach Incheon gemacht haben. Das ist die Küstenstadt, in der auch der Flughafen steht. Von dort aus sind wir auf abenteuerlichen Wegen zu einer Insel gefahren. Die Busfahrer fahren wirklich wie gesengte Säue – eine gewisse sadistische Ader konnte man unserem an diesem Tag schon zusagen, hatte er doch einen besonders gefederten Sitz, während wir quasi im freien Raum hin und her geschleudert wurden. Speed bumps? Dazu da um die Fahrt etwas aufregender zu gestalten! Lustig war’s aber schon.

Auf der Insel sind wir am Strand lang gelaufen. Das Meer war wegen Ebbe zwar ziemlich weit weg, stattdessen gab es aber eine Menge Schlick, auf dem man sehr gut rumschlittern konnte. Leider waren wir zu langweilig, um eine Schlammschlacht zu machen. Das Wetter war großartig und ich konnte ein paar interessante Fotos machen. Außerdem war es gut mal aus dieser chaotischen Stadt heraus zu kommen und in die Ferne zu gucken.

Ein paar Schwierigkeiten machte uns das Essen. Erst wollte uns kein Restaurant rein lassen, weil sie (angeblich) völlig ausgelastet waren oder jetzt nur noch die ganz scharfen Saucen servieren würden, die man uns nicht zumuten wollte. Dann waren die Karten (wie so oft) nur auf Koreanisch, die Verständigung schwierig (obwohl wir einen dabei hatten, der ein wenig Koreanisch kann), die Essenauswahl beschränkt (nur roher Fisch) und sowieso mochten von sieben Leuten nur viereinhalb Leute Fisch und eine überhaupt kein koreanisches Essen. Wir haben es dennoch geschafft ein Restaurant zu finden und ganze sechzehn gegrillte Fische zu bekommen (auch wenn die „ziemlich klein oder eher ziemlich dünn“ waren). Wir aßen sie mit Stäbchen und beobachteten dabei einen wunderschönen Sonnenuntergang über dem Wasser.

In Seoul ging es dann erst zu Mr. Pizza, wo man für man für knapp zwei Euro ein tolles Salat- und Joghurtbuffet mit Refill bekommen kann. Ein echter Geheimtipp, wenn man mal genug von Kimschi und Co hat! Und später waren wir in der Subzero Icebar. Dort ist alles aus Eis und die Cocktails werden in Eisblöcken serviert. Klingt toll, ist es aber meiner Meinung nach nicht so sehr. Vielleicht bin ich ein Pedant, aber in so einer „coolen“ Location (hahaha) sollte auch der Boden nett anzusehen und nicht irgendein rotes Fuselteil sein. Außerdem sollte es nicht so komisch riechen. Und schließlich – und darin liegt vielleicht das Hauptproblem – sind die Kälte und ich absolut nicht die dicksten Freunde. Da kann auch noch so viel Absolut Vodka nichts gegen ausrichten. Wenn meine Füße erstmal eingefroren sind, ist auch meine Laune am Tiefpunkt!

Breakdancing in Korea

Offensichtlich ganz groß. Als Florian und ich heute an der City Hall vorbeikamen, wurde gerade der Film „Planet B-Boy“ gezeigt – der von den Finals des „Battle of the Year“ (2005) berichtet, der jedes Jahr in Braunschweig stattfindet und wohl das Nonplusultra der Breakdancingszene darstellt. Aus jedem Land darf eine Crew antreten und die sind natürlich verdammt gut. Was den Film besonders interessant gemacht hat, war dass zwei koreanische Teams antreten durften, da die Vorjahresgewinner Koreaner und damit gesetzt waren. Deswegen wurde besonders viel über Breakdancing in Korea erzählt – der allgemeine koreanische Charakter (wenn man das so pauschalisieren darf) und Breakdancing passen ja auf den ersten Blick nicht so optimal zusammen. Die Eltern der B-Boys waren auch nicht so furchtbar begeistert und haben nicht so richtig verstanden, was ihre Jungs da eigentlich treiben.

Ein Highlight war eine Szene in der ein Koreaner zum anderen sagt, er solle mit dem Kimschi sparsam umgehen, es solle ja schließlich für die gesamte Zeit in Deutschland reichen. (Kimschi ist dieser eingelegte Chinakohl, den sie hier ständig essen und der allen Deutschen zum Hals raushängt!) Auch gut war, als der eine Koreaner sein Fleisch in den Schokopudding gedippt hat, weil er keinen Plan davon hatte, was er da isst. Oh mann, wie wir hier wohl wirken müssen?

Schließlich hat das neuere koreanische Team gewonnen – nachdem sie sich mit den Japanern gebattelt haben, was sie sich vorher auch gewünscht hatten. („We got history together. We may be able to forgive, but we won’t forget.“ Hoffentlich können die anderen europäischen Länder uns besser vergessen!) Mich hat’s gefreut, ich hatte richtig mitgefiebert. Was mir gefehlt hat, war eine Aftershowparty, ich bin mal gespannt, ob es mir gelingt einen guten Hiphopclub hier ausfindig zu machen!

Seoul – World Fashion City*

Nachdem ich die erste Woche hier ganz lässig und unspektakulär in Hosen und T-Shirts verbracht, die topgestylten Koreanerinnen bewundert, selbst aber weder Energie noch Begeisterung für mein eigenes Styling aufgebracht habe, ist heute der Geist der Mode wieder in mich gefahren. Gut, ich dachte schon, ich würde meine Eitelkeit verlieren! Heute war ich in der Nähe der Hongik Universität ein wenig shoppen. Tolles Viertel. Viele kleine Läden und wirklich nette Cafés (sonst gibt es hier immer nur Starbucks und Co oder dubiose koreanische Schuppen), außerdem wohl auch coole Bars. Zum Glück nur eine Station von mir entfernt.

In Korea sieht man alle möglichen Styles. Viele Frauen sind sehr schick, mit Highheels, Bleistiftröcken und Blusen, manche sind bitchy, so wie man sich das vorstellt, mit sehr kurzen Röcken und Kniestrümpfen und andere richtig lässig mit bedruckten T-Shirts et cetera. Man kann also alles tragen. Und man kriegt auch alles – ziemlich günstig. Stellt euch also auf eine modische Horizonterweiterung meinerseits ein. Inzwischen komme ich damit klar, dass die Verkäuferinnen ständig hinter einem her sind – zu viel Service kann ganz schön anstrengend sein! Am Anfang meines Einkaufs stand ein eher trauriges Erlebnis: Ich hatte mir mehrere Kleider und T-Shirts rausgesucht und brannte darauf sie anzuprobieren. Durfte ich dann aber nicht. Fragt mich nicht wieso, es hieß nur „No try on of tops“. Als ich enttäuscht den Laden verließ musste ich fast weinen. Ernsthaft. Das waren wirklich schöne Sachen! In einer Stadt wie Seoul bleibt man aber nicht lange traurig – es gibt ja noch eine Million anderer Läden und so wurde ich fündig. Habe natürlich mal wieder nur praktische und funktionale Teile gekauft, die ich unbedingt brauchte. Eins kann man sogar als Top oder als Rock tragen. Wenn das nichts ist!

*Bald ist hier Fashion Week. Tickets kann man aber nur kaufen, wenn man koreanisch kann. Typisch. (Und irgendwie unglaublich. Irgendwer in dem Zirkus muss doch Englisch sprechen können!) Ich werd mal Soo fragen, ob sie mir hilft.

By the Way

Ich habe keine Ahnung, warum Blogspot die Schrift hier so zerrockt. Das liegt natürlich nicht in meiner Absicht!